Das Haus der tausend Treppen

Ich bin etwa 170 Stufen hinaufgestiegen, bis ich aufgehört habe mitzuzählen, habe dann eine weitere Treppe erklommen und ein Haus erreicht, das mich sofort neugierig machte: verwilderter Garten, durchwucherte Nebengelasse, zugemauerte Fenster und keine Menschenseele … So dachte ich zumindest.

Doch plötzlich hörte ich Stimmen, die immer lauter wurden. Eine Frau schimpfte, eine männliche Stimme schimpfte. Angestrengt lauschte ich, während ich weitere Treppen rund um das Haus hinauf- und hinabstieg. Die Stimmen wurden noch lauter, jedoch nicht deutlicher. So sehr ich mich auch bemühte – das eigene Keuchen in den Ohren -, ich konnte den Inhalt nicht verstehen, vernahm nur, dass sie stritten. Doch etwas anderes wurde deutlicher: Die Stimme des Mannes habe ich schon gehört. Natürlich gibt es ähnliche Stimmen, doch dank meines Jobs beim Radio bin ich stimmenerprobt. Und diese Stimme, da bin ich ganz sicher, kenne ich.

Ich versuchte, das Haus zu umrunden, Stufen rauf, Stufen runter … Auf einmal gab es einen Knall, gefolgt von einem Klirren, als habe jemand eine Tür zugeschmissen. Erschrocken nahm ich die nächstbeste Treppe hinauf auf eine wild bewachsene Anhöhe. Und kaum kam ich schnaufend oben an, stand ein Mann vor mir: dieser auffallend große und hagere Typ, den ich schon vor meiner Haustür und in der Straße am Park gesehen habe. Er nickte mir zu und verschwand zwischen den Bäumen.

Sofort machte ich kehrt, die Treppe hinunter, eine weitere hinauf, die nächste Treppe seitlich am Haus entlang … Es schien kein Ende zu nehmen, bis ich wieder über diverse Treppchen den Eingang erreichte und einige Stufen hinaufklettern musste, um die lange Treppe zu erreichen, die den Berg hinunterführt. Die Stimmen allerdings waren verstummt. Und der hagere Mann blieb verschwunden.

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